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Wie aus einer Idee eine Vision entsteht

Handbuch für Startups - Teil 1

· Entrepreneurship

Wie so vieles im Leben beginnt auch ein Startup mit einer Idee. Schaut man sich Beispiele von grossen Unternehmen an, sind einige der bekanntesten dank einer simplen Eingebung entstanden. Wie komme ich aber auf eine gute Idee? Woran erkenne ich sie? Kann ich auch mit einer weniger guten Idee ein erfolgreiches Startup gründen? Diese und weitere Fragen beantworte ich im ersten Teil meines Handbuches für Startups. Für jedes Kapitel habe ich dafür einen Experten zur Rate gezogen.

Für den ersten Teil des Handbuches habe ich Jean-Philippe Hagmann konsultiert. Jean-Philippe Hagmann ist Gründer, Autor, Dozent, Industrie-Designer und Experte für radikale Innovationen. Seine breiten Erfahrungen haben ihn vor allem eines gelehrt: der Weg zu einer innovativen Lösung ist schwieriger zu verstehen, als die Lösung selbst. Von der Rollenteilung über Kultur bis zum richtigen Mindset - um alle Bestandteile erfolgreicher radikaler Innovation zu durchleuchten, schrieb Jean-Philippe das Buch "Hört auf, Innovationstheater zu spielen". Jean-Philip Hagmann hat mich in der Vergangenheit oft inspiriert. Geprägt hat mich besonders, wie er komplexe Dinge auf den Punkt und in die Praxis bringt.

“In den meisten Unternehmen wird der frühen Phase der radikalen Innovation (Entdeckungsphase) kaum Zeit eingeräumt. (...) Um wirklich radikal innovativ zu sein, braucht es ein vertieftes Verständnis für den Innovationsprozess.” - Jean-Philippe Hagmann

Wie finde ich eine Idee?

Fangen wir von vorne an. Wenn du ein Startup gründen möchtest, brauchst du eine Idee. Dies setzt voraus, dass du überhaupt Ideen hast - im Anfangsstadium noch unabhängig davon, ob sie gut sind. Für die Ideensuche gelten einige Grundsätze:

  • Quantität vor Qualität
  • Würdest du es selber brauchen
  • Habe nicht den Anspruch, dass eine Idee gleich die richtige sein muss

Als weiteres Beispiel für die Ideenfindung kannst du dir Wasser vorstellen. Unsere Gedanken sind wie ein kleiner Bach der immer grösser wird und sich immer mehr in den Stein frisst. Wenn wir jung sind, fliesst das Wasser ohne Struktur in alle Richtungen - deshalb sind wir als Kinder am kreativsten. Werden wir Erwachsene, sind unsere Gedanken strukturierter und lassen weniger Möglichkeit, aus alltäglichen Mustern auszubrechen. Wir versuchen, unbewusst unseren Gedankenfluss in eine bestimmte Richtung zu leiten. Bist du auf der Suche nach einer Idee, lohnt es sich, sich diesen Mustern bewusst zu sein und sich an neue, kreative Ansätze zu wagen. Suche den Dialog mit Menschen, die dich inspirieren, bewege dich in Situationen ausserhalb deiner Komfortzone und entdecke, was in dir Leidenschaft weckt.

“(...)Eine gute Idee muss nicht zwangsläufig von Anfang an «gut» sein, sagt Jean Philippe: Sie ist vielleicht zuerst nur ein «hässliches Entlein», das sich dann zum Schwan entwickelt”

Wie überprüfe ich, ob eine Idee gut ist?

Stell dir einen Tisch vor, auf dem diverse Zutaten stehen. Du willst einen Kuchen backen - und kannst dir deshalb genau vorstellen, wie das Endprodukt aus diesen Zutaten aussieht. Jeder andere, der die Zutaten auf dem Tisch liegen sieht, wird nur die Zutaten sehen. So läuft das auch bei deiner Idee: Du magst bereits an den Börsengang denken, andere Personen kennen aber nur deinen Grundgedanken. So entscheidet auch nur dein Gegenüber, wie er deine Idee findet. Bringen wir hier wieder deine eigene Leidenschaft ins Spiel - es ist hilfreich, wenn du selbst Feuer und Flamme für deine Idee bist. Mit deiner eigenen Meinung und Passion steckst du andere an. Wenn du von Anfang an überzeugt bist, dass dein Kuchen nichts wird, ist die Chance gross, dass er nichts wird. Du hast deine Idee überdacht, oder, ganz konkret, deinen Kuchen gebacken? Dann gib ihn anderen zum Probieren - reale Produkte und konkrete Ideen sind immer besser als grobe Beschriebe.

Natürlich ist es auch möglich, mit Erfahrungswerten zu arbeiten. Für junge, unerfahrene Gründer/-innen sind diese allerdings nicht zwingend gegeben. Zuerst gilt es also, dich selbst zu überzeugen - sprich, dein eigener erster Kunde sein zu wollen. Du bist von deiner Idee überzeugt und trägst sie jemandem vor? Sprich klar, kurz und knapp. Schmück deine Idee nicht künstlich aus, wenn dein Gegenüber kritisch reagiert. Vermeide es, seine Meinung ändern zu wollen. Nimm das Feedback kritisch an und überlege, wie du deine Idee anpassen könntest, damit diese sie oder ihn überzeugt. Fazit: Beobachte und überrede nicht. Um diesen Prozess zu vereinfachen ist es wichtig, deine eigene Person aus dem Thema rauszunehmen - du wirst nämlich Schwierigkeiten haben, die Meinung anderer objektiv beurteilen zu können. Ein einfacher Weg, dies zu tun, ist, deine Idee einer Drittperson so zu erzählen, als wäre es nicht deine, sondern die Idee eines Freundes. Die Chancen sind so grösser, dass Feedback ehrlich und konstruktiv ist - genauso wie es für dich leichter sein wird, das Feedback zu empfangen.

“(...) Impulse von aussen treiben dich zusätzlich an, so Jean Philippe. Von jeder Interaktion kannst du nur profitieren”

Kann ich auch mit einer schlechten Idee ein erfolgreiches Startup gründen?

Theoretisch: Ja. Faktisch: Eher Nein. Tendenziell wird eine Idee, die von der Schöpferin oder dem Schöpfer der Idee als schlecht identifiziert worden ist, nicht weiter verarbeitet werden. Wenn du glaubst, dass deine Idee schlecht ist, kannst du die folgende Strategie anwenden:

  • Finde evidenzbasierte Argumente für dein Produkt
  • Unterziehe deinem Projekt oder Produkt einen Reality Check
  • Wette mit dir selbst und setze dir Ziele. Beispiel: Wenn ich es schaffe, innerhalb eines Monats 50 Personen zu finden, die das Produkt kaufen, arbeite ich weiter an meiner Idee
  • Habe keine Angst vor einer realistischen Betrachtung deiner Idee. Je offener du über deine Idee sprichst, desto mehr hochwertiges Feedback wirst du bekommen
  • Gewöhne dich daran, ausserhalb deiner Komfortzone zu agieren
     

Wie aus einer Idee eine Vision entsteht

Bevor du dir nun überlegst, wie aus einer Idee eine Vision entsteht, gehen wir kurz auf die Definition einer Vision ein. Eine Vision ist ein Orientierungsleitfaden für Gründer und Mitarbeiter - sie sorgt dafür, dass jede und jeder sich im Klaren darüber ist, in welche Richtung es gehen soll und auf was hingearbeitet wird. Sie ist, auch für junge Unternehmen, extrem wichtig. Eine Vision sorgt für einen einfachen Leitfaden, welchem man folgen und womit man andere motivieren kann. Idealerweise leitest du deine Vision von deiner persönlichen Vormotivation ab. Stelle dir hierzu die Frage: “Wieso habe ich dieses Unternehmen gegründet? Wieso fand ich gerade diese Idee gut? Was an meiner Idee motiviert mich?”. Auch als Startup ist es von Vorteil, seine Vision so früh wie möglich zu formulieren. Natürlich kann sich diese mit den Jahren weiterentwickeln - es hilft jedoch, deine Vision als Ansatz für die Richtung deiner Entwicklung beizubehalten. Erheblich schwieriger ist es, eine Vision erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erstellen.

“Eine Vision ist zentral für den Erfolg. Aus ihr leitet sich die Motivation ab, Ideen zu entwickeln, betont Jean Philippe.”

Was sind mögliche Fehler auf dem Weg von der Idee zur Vision?

Vorab: Aufhören, Fehler als Fehler und sie als Treppen zum Erfolg zu sehen. Trotzdem will ich dir einen kurz zusammengefassten Überblick geben, was du beachten solltest:

  • Gehe nicht davon aus, dass nur, weil du die Idee gut findest, sie Andere auch gut finden
  • Sei dir bewusst, dass du selber nie objektiv sein kannst gegenüber deiner eigenen Idee
  • Involviere andere Leute, die dir dabei helfen, den Produkte- und Ideentest zu interpretieren
  • Generiere deine Idee trotzdem, als wäre sie die Beste auf der ganzen Welt. Aber wenn du sie testest, teste sie so, als wäre sie falsch
  • Sei gleichzeitig grösster Fan und grösster Kritiker deiner Idee

Hast du den Teil der Ideenfindung bereits hinter dir, geht es an den nächsten Schritt: aus deiner Idee muss eine Vision entstehen, welche Kultur und Werte deines zukünftigen Unternehmens erfasst. Wie du eine Vision in einem Startup implementiert und was unverzichtbare Werte eines Startups sind, erkläre ich dir im nächsten Kapitel meines Handbuches.

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